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Ihre erste Kirche, einen Fachwerkbau, hatte die anfangs noch lutherische Gemeinde 1784 erbaut. Insbesondere der Pfarrer Stratmann hatte von Beginn seiner langen Amtszeit (1808 bis 1855) alles darangesetzt, das nötige Geld für eine richtige, aus Stein gebaute Kirche zu sammeln. Das Anliegen wurde immer dringlicher, denn die Fachwerkkirche war längst zu eng geworden für inzwischen mehr als 1500 Gemeindeglieder, hinzu kam, daß die viel kleinere katholische Kirchengemeinde 1843 ihre neue Kirche St.Joseph eingeweiht hatte.
Dabei bemühte man sich nicht allein um die Baukosten, sondern auch um die architektonische Gestaltung des Kirchenbaus, mit dem die evangelische Gemeinde sich darstellen wollte - zwischen der reformierten Kirche in prächtigem Spätbarock und der katholischen St.Josephskirche in klassizistischen Formen.
Vier Pläne gab das Presbyterium in Auftrag: 1846 an den Ronsdorfer Baumeister Wilh. Grote (oder Groote), der zuvor den Bau der St.Josephskirche geleitet hatte; 1852 an den Kreisbaumeister Conradi, allem Anschein nach ein Reissbrettarchitekt, der den gesamten Baukörper nach dem goldenen Schnitt durchkomponierte (zum Glück wurde so nicht gebaut). 1855 legte ein Elberfelder Bauinspector den dritten Plan vor, der die Baukosten strikt auf 10.000 Taler beschränken sollte. Den vierten Plan reichten 1856 die Gebr. Matthey (oder Mathäi) aus Ronsdorf ein, die zuvor auch die St.Josephskirche entworfen hatten. Sie wurden mit der Bauleitung und dem sofortigen Beginn der Arbeiten beauftragt. Nach knapp zweijähriger Bauzeit, im Dezember 1857, wurde die Kirche feierlich eingeweiht.
Modern war es zu jener Zeit, Kirchen im neugotischen Stil zu bauen mit den typischen Spitzbögen und dekorativen Maßwerkfenstern, wie die lutherische Kreuzkirche in Elberfeld. So etwas wollten die Cronenberger offensichtlich nicht. Sie bevorzugten damals altbewährte Bauformen.
Die Eigenart der Emmauskirche besteht darin, daß die Baumeister alles nutzten, was technisch sinnvoll und kostengünstig zu machen war, um damit der Kirche außen wie innen eine gänzlich schmucklose, aber ausgeprägte Gestalt zu geben. So nahmen sie für das Mauerwerk Cronenberger Grauwacke aus einem Steinbruch am Hillgenbusch. Das ersparte teure Transportkosten. Die Steine wurden gespitzt, dh. nur grob zugehauen, außen in Lagen gemauert und verfugt, nur innen glatt verputzt und hell gestrichen. Das hat bald einhundertfünfzig Jahre gehalten, und der Naturstein außen belebt die großen Wandflächen. Aus dem gleichen Stein konnte man die Rundbögen an Fenstern und Türen mauern. Auch das war kostengünstig, zugleich gliedern und bereichern die Rundbögen den kubischen Baukörper. Innen sieht man den großen Chorbogen, flankiert von zwei kleineren Wandpfeilerbögen. Diese sind, bautechnisch betrachtet, materialsparende Entlastungsbögen. Zugleich erinnert diese 3-Bogen-Ordnung an das Motiv des Königsportals, das man an der römischen Porta Nigra in Trier und, christlich ausgelegt, allenthalben an mittelalterlichen Kirchen findet. Die Andeutung dieses Motivs ist noch einmal wiederholt und in charakteristischer Weise abgewandelt: die Emmauskirche hat vorn drei Eingangtüren (üblich war nur eine Tür). Der mittlere Eingang am Turm ist nur wenig größer als die Seitentüren und schmucklos wie das ganze Bauwerk. Er wird zum normalen Gottesdienst geöffnet. Die Seitentüren erleichtern des Ausgang nach überfüllten Festgottesdiensten. Die Gemeinde wollte offensichtlich an dieser Stelle kein Hauptportal für Würdenträger, keine Nebentüren fürs gemeine Volk.
An den Öffnungen im Mauerwerk kann man von außen das Innere erschließen. Die Rundfenster an der Fassade zeigen die Orgelempore an. Die vier hohen Fenster an beiden Seiten erhellen den Saal, einen großzügigen Innenraum ohne Seitenemporen. Deshalb sieht man von außen keine Einbauten, ausgenommen ein Stück der Orgelempore, die ursprünglich schmaler war und erst im Zuge von Reparaturarbeiten nach 1947 in den Saal hinein erweitert wurde. Am rückwärtigen Chor sind die Fenster zweigeschossig angelegt. Ursprünglich befand sich unten die Sakristei, darüber eine Sängerempore mit dem Zugang zur Kanzel in der Mitte. 1913 entfernte man die Einbauten, öffnete den Chorraum und stellte den Altartisch hinein. Das vergrößerte und bereicherte den Kirchenraum. Die Kanzel kam an ihren heutigen Platz auf eine verkürzte Säule vor dem linken Chorpfeiler. Die Pfarrer predigen seitdem von vorn, nicht mehr von hoch oben herab, und ihre Schäflein können sie sehen, ohne Genickstarre befürchten zu müssen.
Die achtseitige Kanzel aus Holz mit ihrer feinen Profilierung der Kanten und ihren Rundbogen-Füllungen ist ein besonderes Stück. Sie paßt zur Kirche so, als sei sie speziell dafür gemacht worden. Doch verhält sich die Sache eher umgekehrt, man kann zumindest nicht ausschließen, daß die Baumeister mit ihrem Entwurf von dieser Kanzel ausgingen. Die Kanzel stammt aus der alten reformierten Kirche, die 1764 eingestürzt war. Die reformierte Gemeinde stattete ihren Neubau (1765-71) mit einer prächtigen barocken Kanzel aus und verkaufte die alte, schlichte Kanzel an die lutherische Gemeinde, die sie in ihrer Fachwerkkirche aufstellte und 1857 beim Einzug in ihre neue Kirche mitnahm. Da steht sie noch heute im Dienst, dem Stil nach aus der Renaissance, grob geschätzt aus der Zeit zwischen 1600 und 1650. Die farbige Fassung, weiß mit schmalen Goldstreifen, ist einer späteren Renovierung zu verdanken.
Dieter Heller
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